Das Finale unseres Bookdate Contests 2020

Unsere 3 Finalistinnen und Finalisten für den Schreibwettbewerb „Bookdate Contest 2020“ wurden gewählt. Du hast unser Finale verpasst? Dann findest du hier unseren Rückblick samt…

Das Finale unseres Bookdate Contests, in Kooperation mit TWENTYSIX, war auch in diesem Jahr als großes Highlight unserer Buchmesse in Leipzig geplant. Doch wie du bestimmt mitbekommen hast, wurde die Buchmesse aufgrund des erhöhten Risikos vor weiteren Corona-Virus-Infektionen abgesagt. Gern hätten wir auch dich persönlich getroffen und Tipps rund ums Veröffentlichen im Self-Publishing gegeben. Stattdessen haben wir uns innerhalb von ein paar Tagen ein Alternativprogramm überlegt, mit dem wir trotzdem in den Austausch gehen und ein Großteil unserer Gesprächsrunden und Vorträge via Livestream abhalten konnten: unsere BoD homestory.

Der Schreibwettbewerb

Vor ein paar Wochen veranstalteten wir den Schreibwettbewerb „Bookdate Contest“ über die Social-Media-Plattform Facebook, innerhalb der Gruppe „Erfüll dir dein Buch“. Die Herausforderung war es, einen Text zu verfassen, der nicht länger als 2500 Zeichen lang ist und eine Situation beschreibt, bei der ein Geheimnis ans Licht kommt.

Wir wollten zeigen, wie eine Buchvermarktung über Social Media funktionieren kann und so animierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Community dazu, ihre Texte zu kommentieren, zu liken und ein erstes Feedback zu geben.

Der Ablauf
Die 3 Geschichten pro Genre, die die meisten Likes innerhalb der Gruppe „Erfüll dir dein Buch“ für sich gewinnen konnten, gewannen den Community-Preis und zogen direkt in das Finale ein.

Aus den rund 260 Geschichten, die auf Facebook gepostet wurden, hat unsere Jury, bestehend aus J. Vellguth und Bernhard Hennen, neben den Community-Gewinnerinnen und -Gewinnern noch je zwei weitere Texte aus den Genres Fantasy, Crime und Romance ausgewählt.

In das Finale kamen die Geschichten von A. L. Kahnau, Eva Herzsprung, Alexandros Tsolakidis (Romance), Veronika M. Dutz, Ines Ziertmann, Raphael Mateju (Crime), Carmen Schneider, Cole Brannighan, Mary Lidia (Fantasy).

Am Abend des Bookdates, einer Veranstaltung für Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Leser, Bloggerinnen und Blogger und alle Schreib- und Bücherfans, sollten ursprünglich vor Ort in Leipzig die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit der Jury über die endgültigen Gewinnergeschichten pro Genre entscheiden.

Damit wir, trotz der Absage der Leipziger Buchmesse, einen gebührenden Abschluss für unsere Finalistinnen und Finalisten gewährleisten konnten, haben wir natürlich auch diesen Abend neu gedacht und ihn ins Internet verlegt.

Ein spannendes Online-Voting samt Lesung

Am Freitagabend unserer BoD homestory wurden die drei finalen Stories pro Genre präsentiert und auch in diesem Jahr wieder von Beatrix Hermens, einer professionellen Sprecherin, gelesen. Begleitet wurden die einzelnen Geschichten mit passender musikalischer Hintergrundmusik. Nach jedem Genre konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer von zuhause mit einem Online-Voting-Tool entscheiden, welche Geschichte pro Genre gewinnen soll.

Bei den Romance-Geschichten erhielten wir eine Postkarte aus Thessaloniki, bekamen kribbelnde Finger und weiche Knie auf dem Weg ins Krankenhaus und gestanden unserem Tierarzt, dass wir ihn gerne auch privat kennenlernen möchten. Eva Herzsprungs Text sammelte hier die meisten Punkte im Online-Voting.

Beim Genre Crime durchwühlten wir streng geheime Unterlagen, lagen in der Badewanne, bevor ein dunkles Geheimnis ans Licht kam und erhielten eine Mystery Box aus dem Dark Web. Hier konnte die Geschichte von Raphael Mateju die Community für den ersten Platz überzeugen.

Die Finalisten-Geschichten im Bereich Fantasy beendeten das Online-Voting unserer „BoD homestory“. Wir befanden uns an einem Ort, an dem es Tag und Nacht zugleich war, knieten auf dem Schafott und ließen uns Tarotkarten legen. Am Ende konnte Mary Lidia mit ihrer Geschichte den ersten Platz besetzen.

Alle drei Finalistinnen haben eine professionelle Covergestaltung samt Lektorat für ihre nächste Buchveröffentlichung bei BoD oder TWENTYSIX gewonnen.

Am Ende war es oft ein Kopf an Kopf rennen – und die Spannung stieg bei allen beteiligten Zuschauerinnen und Zuschauern. Auch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bei unserem Schreibwettbewerb mitgemacht haben, sollten sich nicht entmutigen lassen. Es waren so viele gute Geschichten dabei – die die Eingrenzung auf nur neun finale Texte wirklich schwer machte, oder um es mit den Worten unseres Jurymitglieds Bernhard Hennen zu sagen:

„Auch in meinem zweiten Jahr als Jurymitglied war es eine Freude zu sehen, wie vielfältig die Beiträge sind, die es in die finale Runde des Wettbewerbs geschafft haben. Jeder unter den Top Geschichten sollte es als Adelsschlag in der Phantastik betrachten, bis in diese exklusive Runde aufgestiegen zu sein. (…) Ich hoffe, dass diese Geschichten auf Romanumfang anwachsen werden, sie haben das Potential dazu.“

Weitere Schreibwettbewerbe

Auch in Zukunft werden wir diese Art von Schreibwettbewerb aufrecht erhalten, da nicht nur wir sehr viel Spaß an der Umsetzung hatten, sondern auch das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchweg positiv war.

Ein großer Dank geht daher auch an das Team von sceene, die uns bei der Realisierung und Umsetzung dieses Events unterstützt haben – und an Alex Naevecke, der für die passende Musik an diesem Abend sorgte.

Du hast das Finale verpasst?

Wenn du möchtest, kannst du dir unser Finale auf YouTube ansehen. Direkt unter dem Video findest du auch die Texte zum Nachlesen.


Romance

Jurymitglied J. Vellguth

„So viele Ideen, so viel Liebe, so viel Potenzial für Veränderung. Von der klassischen Party-Szene bis hin zum verliebten Hund war unter den Einsendungen alles dabei. Unabhängig von den Ideen konnte ich spüren, wie viel Herzblut in allen Geschichten steckte. Es war eine Ehre und ein Vergnügen (und teuflisch schwer) meine Favoriten auszuwählen. Am Ende durfte ich mir nur zwei aussuchen und hoffe, meine Wahl berührt auch dich.“


Eva Herzsprung

 

Nur um eines klarzustellen: Ich bin keine Stalkerin. Ich meine, okay, ich habe ihm vielleicht einige E-Mails geschrieben, also genaugenommen acht.

Aber ich bin sicher keine Stalkerin!

Bei unserem ersten Treffen sprachen wir dreißig Minuten über Sam. Ich kann sehr kreativ im Erfinden von „hundlichen“ Verhaltensauffälligkeiten sein. Sam hat nämlich ADS. Doch doch, sehr wohl!
Träumt den ganzen Tag vor sich hin. So wie sein Frauchen auch. Oder vielleicht ist er ja schwul und in seinen Tierarzt verknallt – so wie sein Frauchen.
Bei unserem zweiten Treffen zum Thema „Stimmstörungen beim Hund“ (ich muss es wissen, denn ich bin Logopädin), belief sich die Sam-Zeit auf zwanzig, meine auf zehn Minuten. Ja und heute ist unser drittes Treffen, welches unter dem Motto „Können Hunde unglücklich sein?“ steht. Sicher können sie das sein, Sam ist es jedoch nicht, besonders nicht, als er seinen Lieblingsarzt entdeckt. In Dr. Abb’s Gesicht blitzt ein Lächeln auf als er uns sieht, welches mir augenblicklich einen herzinfarktverdächtigen Puls beschert.
„Hallo!“, nuschle ich, denn die Worte in meinem Kopf schlagen vergnügt Purzelbäume.
„Ich freue mich, Sie wiederzusehen!“ Er hat einen minimalen, absolut hinreißenden Sprachfehler, den ich ihm niemals wegtherapieren würde.
Seine blauen Augen strahlen mir entgegen. Zehn Minuten sind rum, die Sam-Zeit ist vorbei. Okay, jetzt oder nie, die Wahrheit muss auf den Tisch! Schließlich neigt sich mein Repertoire an fadenscheinigen Ausreden dem Ende zu und was kann Sam dafür, dass er immer auf krank machen muss, nur weil sein Tierarzt zum Anbeißen ist?
Ich blicke verschämt zur Seite, als würde man mir mein stolperndes Herz ansehen, doch dann nehme ich all meinen Mut zusammen: „Ich muss Ihnen etwas gestehen.“
„Ich Ihnen auch!“, platzt es unvermittelt aus Dr. Abb heraus.
Fragend sehe ich ihn an.
„Ich bin wirklich froh, dass Sie mir geschrieben haben“, brummelt er.
Echt jetzt?
„Nerve ich Sie nicht mit meinen unzähligen E-Mails?“
„Also ich bin ziemlich sicher, ich schreibe Ihnen viel mehr E-Mails, als Sie mir. Das Problem ist“, druckst er herum, „dass ich sie immer wieder lösche, bevor ich auf Senden drücke.“
Vorsichtig blicke ich zu ihm auf.
„Und? Was würde darin geschrieben stehen?“
Er blickt mir fest in die Augen und sagt: „Dass ich Sam liebend gern privat kennenlernen würde.“
„Sam?“ Mir bleibt gerade die Luft weg.
Er lächelt zaghaft. „Und dich.“
Mein Herz macht einen dreifachen Flickflack, als unsere suchenden Hände einander finden.


Fantasy

Jurymitglieder Bernhard Hennen

„Auch in meinem zweiten Jahr als Jurymitglied war es eine Freude zu sehen, wie vielfältig die Beiträge sind, die es in die finale Runde des Wettbewerbs geschafft haben. Jeder unter den Top Geschichten sollte es als Adelsschlag in der Phantastik betrachten, bis in diese exklusive Runde aufgestiegen zu sein. Auch wenn es nur einen Sieger geben kann, haben sich die Finalisten ein Duell auf Augenhöhe geliefert, wenn sie von einer Delinquentin schreiben, die gerade ihren Kopf auf den Richtblock legt, einen Sturz aus dem Himmel, ein unheimliches Tarotspiel, einen mörderischen Klingentanz am Ende einer Gasse oder ein Treffen in einem Arbeitszimmer, das auch der Auftakt eines X-men-Films hätte sein können. Ich hoffe, dass diese Geschichten auf Romanumfang anwachsen werden, sie haben das Potential dazu.“


Mary Lidia

Manche sagen, dass Monster als solche geboren werden. Sie sagen, dass es ihnen in die Wiege gelegt wurde. Ich sage allerdings, dass sie zu diesen gemacht werden.

„Zieh eine Karte.”, sprach die Zauberin zu mir und strich elegant über ihre Tarotkarten.
Die Magie in den Karten entscheidet über unser Leben. Sie sind unser Schicksal, unsere Zukunft, unsere Hoffnung.
Aber auch unser Tod.

Ich zitterte, als meine Hand über die Rückseiten der Karten strich. Angst und Panik durchfuhr mich wie ein Blitz, mein Herz hämmerte gegen meine Brust und ich versuchte, meine Furcht hinunter zu schlucken.
Schlimmer als Finn könnte es mich nicht treffen. Er hatte den Narren gezogen. Ein Symbol für Unreife, Selbstüberschätzung und Naivität.
Er meinte, ich würde Dank meiner Gutmütigkeit mit Sicherheit die Sonne ziehen.
Skeptisch hob ich eine Augenbraue und legte meine Stirn in Falten, als ich eine Karte berührte. Meine Fingerspitzen begannen, zu kribbeln.

„Hast du dich entschieden?”, fragte die Frau in ruhigem Ton.

Wenn ich Pech hatte, dann ziehe ich den Tod und werde noch heute Nacht sterben. So wie es bei Maxime der Fall war. Angeblich hatte der Rat die Karte des Todes aus dem Deck genommen, damit so etwas nicht mehr geschehen kann.
Und angeblich hatten sie auch andere gefährliche Karten vernichtet, wie »Der Gehängte« oder »Der Teufel«.
Doch so viel Vertrauen schenkte ich dem Rat nun auch wieder nicht.
Ich hob die Karte, die mich auf magische Weise anzog.
Misstrauisch rümpfte ich die Nase.
Die Magierin riss mir die Karte aus der Hand und schrie auf, als sie das Pentagramm und den silbernen Schriftzug sah.

Der Teufel.

„Unmöglich.”, murmelte sie.
Dunkler Qualm waberte über die Wände des Raumes und überzog diese mit Schatten. Eine ölige Finsternis umhüllte uns. Verzweiflung und Furcht spiegelten sich in den eisblauen Augen der Magierin wider.
Wie Tinte in Wasser tauchten die Dunkelheiten den weißen Tisch in Finsternis.
„Er hat dich gefunden.”
Augenblicklich packte mich die Frau und zog mich weg. Lodernde Flammen stiegen aus dem Tisch empor und in meinen Augen flackerte das rotglühende Licht des Feuers.
„Lauf!”, schrie sie. „Der Teufel hat dich gefunden!”

Magie und Macht kitzelten auf meinen Fingerspitzen, wollten aus mir heraus und wie ein Monster alles in Chaos stürzen.
„Was sollte der Teufel von mir wollen?”, fragte ich nervös.

Bevor sich das Feuer ausbreitete und die Magierin verschlang, keuchte sie mit erstickender Stimme: „Du bist seine Tochter.”


Crime

Jurymitglieder Carina Leberle & Iris Kirberg

„Wir wissen, wie herausfordernd es ist, in einer begrenzten Zeichenzahl die richtige Stimmung des Genres einzufangen, die Leserinnen und Leser in den Bann zu ziehen und Lust auf mehr zu machen. Viele Teilnehmenden haben dies geschafft und uns mit ihren Geheimnissen in kleine Hütten, zu Gräbern, in Küchen, Keller und Gärten geführt. Wir haben viele Charaktere kennengelernt, besonders ihre dunklen Seiten.“


Raphael Mateju

Die erste Mystery Box bestellten Ferguson und Drake noch aus Spaß im Dark Web, weil sie dachten, es wäre guter Stoff für ein Video. Dabei ahnten sie nicht im Geringsten, welch eigenartige Dinge sich in der Box verbergen würden. Kinderschuhe, eine Spieluhr auf deren Innenseite I LOVE U in roter Farbe stand, eine Schultasche mit den Initialen B.B., ein altes Familienfoto und, was Ferguson schließlich dazu brachte, sich zu übergeben, die Backenzähne eines Menschen.

„Krank“, murmelte Drake und hielt sich den Handrücken vor den Mund.

„Oh ja.“

Bei der zweiten Mystery Box, die sie wenige Wochen darauf bestellten, war es ähnlich. Kinderklamotten, jeweils ein Filzstift, Goldring, Skalpell, noch ein Familienfoto, eine Vermisstenanzeige aus den Achtzigern, in der nach einer Neunjährigen namens Beth B. gesucht wurde und ein USB-Stick. Darauf war ein Video mit dem Titel LUNCH gespeichert.

„Was zum Teufel ist das?“, wollte Ferguson wissen, als sie es abspielten.

„Fliegen auf einer…“ Drake war totenbleich.

Stille, dann fügte Ferguson heiser hinzu: „Einer Leiche.“

„Ist das etwa ein…?“

Nur die blutjungen Augen des Mädchens waren zu erkennen, die Bindehaut schon gelb-bräunlich.

„Man, damit müssen wir zur Polizei!“, sagte Drake aufgelöst. „Was für ein krankes Schwein verschickt sowas?“

Ferguson nickte. Er dachte dabei an seine kleine Schwester Lilly, die seit vier Tagen im Sommercamp war und erst in drei Wochen wieder nach Hause kommen würde.

Zwei Wochen waren vergangen seit der Anzeige. Die Beamten hatten nur gemeint, dass sie dem Fall nachgehen würden, aber dass es schwer wäre, jemanden im Dark Web zu finden.

Als Ferguson dabei war, das Haus zu verlassen, stieß er sich den Fuß an etwas. Sein Blick fiel zu Boden. Plötzlich wurde ihm ganz kalt, bei dem, was er vor sich liegen sah. Noch eine Mystery Box.

„Was zum…?“

Er nahm die Box mit ins Haus, öffnete WhatsApp und sendete Drake ein Foto. „Hast du die bestellt?“

„Ne, das schwöre ich!“

„Die stand plötzlich da.“

„Warte, ich komme.“

Vorsichtig, mit Handschuhen, öffneten sie die Box. Ferguson schaufelte das Styropor beiseite, bis sich der Inhalt offenbarte. Das Pochen ihrer Herzen war plötzlich im ganzen Raum zu hören. Ferguson zitterte am ganzen Leib. Er spürte nur noch ein einziges Gefühl. Angst. Nun waren sie sich sicher, dass hinter der Sache ein Psychopath steckte.

In der Box befand sich ein Zettel: „Für Ferguson“
Daneben lag Lillys Kissen.


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