Bookdate Contest: Tipps von unserer Jury

Bis Anfang April läuft noch unser Schreibwettbewerb „Bookdate Contest“, in Kooperation mit TWENTYSIX. Unsere Jury verrät dir hilfreiche Tipps für deine Kurzgeschichte!

Romance, Fantasy und Crime: Gemeinsam mit TWENTYSIX suchen wir noch bis zum 9. April 2021 die drei besten Geschichten zum Thema: „Anfang oder Ende?“.

Unsere Jury, bestehend aus den beiden Autorinnen Nicole Wollschlaeger und Saskia Louis sowie dem Autor Greg Walters, wählt aus allen eingereichten Geschichten drei pro Genre aus. Außerdem verraten sie uns in diesem Artikel ihre ganz persönlichen Schreibtipps.

Tipps von Saskia Louis

Mit unterhaltsamer und moderner Romance-Literatur erobert Saskia Louis die Herzen ihrer Leserinnen und Leser und freut sich auf die Romance-Beiträge zum Wettbewerb. Ihre „Verliebt in Eden Bay-Reihe“ findest du im BoD Buchshop.

Wie schaffe ich es als Autorin oder Autor, dass die Leserinnen und Leser auch bei einem kurzen Text mitfühlen?

Prägnante Gefühle zu vermitteln, ist gerade im Bereich der Romance unglaublich wichtig. Selbst, wenn der Text nur eine bestimmte Anzahl von Zeichen haben soll, dürfen diese auf gar keinen Fall fehlen.

Der Trick bei einem kurzen Text ist es nicht, möglichst viel Handlung auf ein paar Seiten zu quetschen. Viel schöner ist es, mit wenigen Momentaufnahmen viel auszudrücken. Verzichte also lieber auf eine Szene, wenn es bedeutet, dass du einer anderen sonst nicht gerecht wirst.

Bevor man loslegt, sollte man sich außerdem genau vor Augen halten, was wichtig für seinen Text ist. Welche Emotionen möchtest Du im Leser hervorrufen? Welche Nachricht möchtest Du vermitteln? Jeder Satz, den Du ab jetzt schreibst, führt auf dieses Ziel hin. Jede Formulierung hat einen Zweck.

Vergiss dabei auf keinen Fall Details einzubauen, weil du glaubst, keinen Platz für sie zu haben. Denn die Kleinigkeiten sind es, die einem Charakter und einer Szene erst Leben einhauchen. Denk dran: Nicht nur Figuren können eindimensional beschrieben werden, Emotionen können es auch!

Einem Charakter geht es nie einfach nur „gut“ oder „schlecht“. Überlege Dir also genau, welche Gefühle der/die Protagonist/in hat und was sie in ihm/ihr auslösen.

Erfüllt deine Figur beispielsweise eine prickelnde, angespannte Erwartung, die ihren Puls in die Höhe und die Schweißperlen in ihren Nacken treibt? Oder doch eher eine hibbelige, aufgeregte Erwartung, die ihr Bein nicht stillstehen lässt?

Achte aber darauf, nicht allzu viele Adjektive gehäuft zu verwenden, sondern ein paar prägnante auszuwählen und die Gefühle deiner Charaktere sonst anhand ihrer Gesten zu vermitteln. Wenn man wütend ist, streicht man sich eine Haarsträhne vielleicht energischer aus der Stirn als sonst. Wenn man nervös ist, kann man die Hände nicht ruhig halten und macht eher fahrige, als entspannte Bewegungen.

Eine Emotion kann hunderte Facetten haben, es liegt an Dir, genau die richtige aufs Papier zu bannen!

Eine Emotion kann hunderte Facetten haben, es liegt an Dir, genau die richtige aufs Papier zu bannen!

Wie wichtig ist der erste und der letzte Satz einer Romance-Kurzgeschichte? Und worauf sollte ich als Autorin oder Autor achten?

Ich persönlich finde erste und letzte Sätze sehr bedeutend. Wie sagt man so schön? Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt.

Gerade, wenn einem nur ein sehr kleiner Rahmen zur Verfügung steht, packt man die Leserin oder den Leser am besten schon mit dem ersten Satz und bewegt sie so zum Weiterlesen.

Das kann mit Hilfe von Humor, wörtlicher Rede, einer blumigen Formulierung oder aber auch einer überraschenden Szenerie geschehen. Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Behalte jedoch im Kopf: Der Anfang einer Geschichte gibt oftmals den Ton an. Wird der Text eher witzig oder tiefgründig? Eher romantisch oder spannend? Als Leser zieht man bereits nach nur einem Absatz seine ersten Schlüsse.

Letzte Sätze hingegen bestimmen, mit welchem Gefühl die Leserin oder der zurückbleibt. Entgleitet ihr oder ihm ein wohliges Seufzen aufgrund des Happy Ends? Oder werden sie eher zum Nachdenken angeregt?

Letzte Sätze müssen keinem Schema folgen. Es bleibt vollkommen Dir überlassen, ob du das Ende eher offenhalten oder aber einen klaren Schlusspunkt setzen willst. Ihre Aufgabe ist es vor allem, den Eindruck beim Leser zu hinterlassen, den du hervorrufen wolltest.  

Ein kleiner Tipp noch: Mach den ersten und letzten Satz nicht zu lang. Versuche nicht, alle Informationen, die du unbedingt noch loswerden willst, darin zu verpacken. Wenn eine Geschichte mit einem komplizierten Schachtelsatz beginnt, ist man als Leserin oder Leser bereits erschöpft, bevor man überhaupt angefangen hat. Wenn man damit endet, bleibt vielleicht nur im Kopf, dass die Geschichte oder Szene etwas zu komplex war, um sie auf so wenigen Seiten verstehen zu können.

Wie gestaltet ich am besten einen Szenenwechsel?

Ich finde immer auf sehr leichtem Weg heraus, ob mein Szenenwechsel gut geglückt oder zu abrupt ist. Ich lese schlichtweg die letzten Sätze der ersten Szene und die ersten Sätze der zweiten … und wenn ich „Huch, was ist gerade passiert?“ denke, dann muss ich ihn noch einmal überarbeiten.

Das Ziel eines guten Szenenwechsels ist es, einen sanften Übergang zu schaffen, aber gleichzeitig eine klare Grenze zu ziehen. Er bietet deinen Leserinnen und Lesern ähnlich wie ein Kapitelwechsel die Möglichkeit, durchzuatmen. Ein Punkt im Plot wurde abgearbeitet, der nächste wird vorbereitet. Man macht eine kleine Lesepause, auch wenn sie nur aus Sekunden besteht.

Im Optimalfall hat jede Szene ohnehin ihren eigenen kleinen Spannungsbogen, der lediglich zu Ende geführt wird, sodass ein natürlicher Schlusssatz entsteht. Er soll die Handlung, die nun abgeschlossen ist, abrunden und den Leser wissen lassen – okay, Zeit für was Neues. Ihr sagt der Leserin oder dem damit: Wir reisen jetzt an einen neuen Ort oder an einen anderen Tag oder zu einem anderen Charakter, also aufgepasst!

Um den Anfang einer neuen Szene möglichst verständlich zu gestalten, sollte daher relativ schnell klar werden, wo man sich gerade befindet und wer vor Ort ist. Sonst irrt man Absätze lang in einer neuen Szene herum, ohne zu wissen, wer überhaupt gerade redet und wie die Umgebung aussieht. Das kann aber auch mithilfe eines einzelnen Nebensatzes, der irgendwo eingefügt wird, passieren, und muss keinesfalls viel Raum einnehmen.

Tipps von Greg Walters

Greg Walters ist Geschichtslehrer, Weltenbauer und leidenschaftlicher Autor uns somit die perfekte Besetzung unserer Fantasyjury. Der zweite Band seiner „Der Lehrling des Feldschers“-Reihe ist gerade neu erschienen.

Wie erschaffe ich eine phantastische Atmosphäre in einem kurzen Text?

Schon zu Beginn des Textes sollte dem Lesenden klar werden, wie die fantastische Welt aussieht oder aufgebaut ist, in der die Geschichte spielen soll. Zum Beispiel: ‚Er betrat die modrige Festung, aus der das unheimliche Licht gekommen war.‘ oder: ‚Die hoch in den Bergen gelegene Drachenschule war der Sehnsuchtstort aller jungen Magier und das war bei Meloki nicht anders…‘. Außerdem sollte ein Protagonist diese Welt immer mit allen Sinnen erfühlen und den Lesenden so näher bringen. Er sollte hören, riechen, schmecken und fühlen. Charakteren kann kalt sein, sie dürfen Hunger haben oder völlig durchnässt von einem Regenguss sein. Das macht die Geschichte authentisch und glaubwürdig für eine Leserin oder einen Leser.

Wie meistere ich die unterschiedlichen Herausforderungen in den Fantasy-Genres bei einer Kurzgeschichte?

In einer Kurzgeschichte würde ich mich klar festlegen, welche Art von Fantasy meine Geschichte erzählen soll. Für ein Crossover sind 2000 Zeichen wahrscheinlich zu wenig. Wenn ich beispielsweise in meiner mittelalterlichen High-Fantasywelt zusätzlich Roboter auftauchen lassen will, verschlingt die Erklärung dafür vermutlich schon die meisten meiner Wörter, ohne dass ich die eigentliche Geschichte erzählt habe.

Ansonsten lässt sich Urban Fantasy sicher etwas einfacher mit wenigen Worten zu beschreiben, weil den Lesenden klar ist, wie z.B. die Welt des gegenwärtigen Londons aussieht. High-Fantasy hingegen lebt davon, dass sich auf vielen hundert Seiten eine Welt erst entwickelt, die die Leserin oder der Leser Stück für Stück entdeckt. Aber auch hier kann man mit bekannten Motiven den Lesenden geschickt in seine Welt ziehen. So etwa, wenn man eine typische, mittelalterliche Umgebung nutzt. Genauso verhält es sich bei SciFi, hier eignet sich die Enge eines Raumschiffs gut, um mit wenigen Worten eine gelungene Atmosphäre zu entwickeln.

Charaktere leben von Grautönen. Es gibt auch im echten Leben nicht nur schwarz und weiß – Gut und Böse.

Welche Eigenschaften machen Protagonistinnen und Protagonisten aus deiner Sicht besonders?

Protagonisten brauchen Ecken und Kanten. Sie sollten nicht zu stereotyp sein, wie etwa der „verschlagen dreinblickende Böse“ und „der schöne Held“, der immer nur lieb und nett ist. Charaktere leben von Grautönen. Es gibt auch im echten Leben nicht nur schwarz und weiß – Gut und Böse. Vielleicht leidet der Antagonist unter einem schweren Schicksal, dass den Grund für sein Handeln darstellt. Dadurch wird er den Lesenden vielleicht nicht unbedingt sympathischer, aber sie bringen Verständnis für ihn auf. Der Held oder die Heldin hingegen sollte auch Schattenseiten haben, sein Verhalten hinterfragen und Fehler machen. Außerdem ist es langweilig, wenn der gute Hauptcharakter so stark wie Superman ist und somit immer klar ist, dass er sowieso gewinnen wird. Schlicht und einfach sollten Charaktere, auch in fantastischen Welten, wie echte Menschen wirken, nur dann findet sich der Leser*in auch in ihnen wieder.

Tipps von Nicole Wollschlaeger

Als Crime-Gewinnerin des Bookdate-Contest 2019 freut sich die Autorin der erfolgreichen „Elb-Krimireihe“ diesmal in der Jury sitzen zu dürfen und wartet auf zahlreiche, spannende Einreichungen. Auch ihre Bücher kannst du in unserem BoD Buchshop entdecken.

Der perfekte erste Satz: Schockieren, beschreiben oder erzählen? Und wie führe ich am besten in eine Crime-Geschichte ein?

Das hängt ganz von der Geschichte ab. Bei einem Thriller kann man gern im ersten Satz schon schockieren. Bei den sogenannten Pageturnern geht es meist sehr rasant zu. Goldbergs Fälle haben eine andere Dynamik, sodass meine ersten Sätze zumeist erzählender Natur sind. Beschreibende Anfänge finde ich für eine Kriminalgeschichte eher schwierig. Es sollte schon möglichst schnell eine gewisse Spannung aufgebaut werden.

Viele Thriller-Autorinnen und -Autoren beginnen mit einem besonders atmosphärischen Prolog, um damit die Leserinnen und Leser auf die Geschichte einzustimmen. Der kann die eigentliche Tat erzählen oder ein Detail aus der Biografie des Täters oder der Täterin. Manchmal ist es auch ein vergangenes Ereignis, sodass die Geschichte in verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Man sollte sich vorher fragen, womit man seinen Roman beginnt und ob man von da aus, die Geschichte weitererzählen kann. Klassischerweise fängt es mit dem Verbrechen an. Das ist für den Anfang sicher der organischste Weg beim Schreiben. Danach werden meistens die ermittelnden Figuren eingeführt. Das kann am Tatort direkt sein oder auch vorher schon. Beispielsweise könnte man die Figur bei einem wiederkehrenden Ritual zeigen, bevor sie sich auf den Weg zum Tatort macht. Welchen Weg man auch einschlägt, er sollte vorher genau durchdacht sein.

Inspiration ist eine launische Gefährtin, die kommt und geht, wann es ihr passt.


Was macht für dich eine gute Crime-Geschichte aus und magst du Gegensätze in solchen Texten?

Erstens muss sie natürlich spannend sein. Wobei ich nicht zwangsläufig an jedem Kapitelende einen Cliffhanger erwarte. Im Gegenteil. Ich mag atmosphärische Spannung, die sich allmählich aufbaut. Möglicherweise können einige Finten eingebaut sein, womit ich auf die falsche Fährte geführt werden soll. Da gibt es unzählige Varianten. Doch man sollte die Leserinnen und Leser immer wieder anfüttern, sodass sie bis zum Showdown am Ball bleiben.

Zweitens muss das Thema mich interessieren. Da fallen mir immer die Romane von Tom Hillenbrand ein. Ich mag seine futuristischen Stoffe sehr.

Und drittens, das ist meiner Meinung nach das allerwichtigste, müssen die Figuren mich packen. Dabei ist es egal, ob ich sie mag oder nicht. Sie sollten glaubwürdig sein, etwas zu erzählen haben und interessant. Das ist wie im Theater. Auch wenn die Inszenierung eine Schwachstelle hat, man verzeiht es, wenn einen die Figuren begeistern. Sie tragen am Ende die Geschichte.

Ich mag es, wenn Geschichten ernst und witzig sein. Für mich schließen sich die beiden keineswegs aus. Allerdings sollte es nicht zu albern sein und nicht auf Kosten der (Kriminal-)Geschichte gehen. Eine gute Kurzgeschichte ist die Königsdisziplin. Mit wenigen Worten auf den Punkt zu kommen, ist eine besondere Herausforderung. Da müssen sich Humor und Crime wirklich gut ergänzen und raffiniert gebaut sein. Für mich eine gelungene Mischung, wenn es gut gemacht ist.

Wie komme ich auf eine spannende Idee zu einem vorgegebenen Thema?

Inspiration ist eine launische Gefährtin, die kommt und geht, wann es ihr passt. Meistens kommt sie in ganz unpassenden Momenten und wenn man sie braucht, lässt sie sich nicht blicken. Deshalb sollte man sich nicht zu sehr in die Ideensuche verbeißen. Das ist wie mit Katzen, die suchen dich aus nicht andersherum. Aber man kann versuchen, sie herauszulocken. Entweder ihr tut einfach mal nichts, geht in die Natur, lasst eure Gedanken schweifen. Manchmal braucht sie nur ein wenig Raum, um sich zeigen zu können. Oder ihr schaut einen Film, lest ein Buch oder Zeitung. Zuweilen ploppt da eine Idee auf, die man weiterspinnen kann. Oder ganz altmodisch: Brainstorming. Was fällt einem zu dem Thema spontan ein? Schreibt auch die absurdesten Dinge auf. Oft kommt mindestens eine brauchbare Idee dabei heraus.

Und mein Tipp für alle Anfängerinnen und Anfänger: Geht von euch persönlich aus. Schreibt über etwas, dass ihr kennt oder sogar selbst erlebt habt. Habt keine Angst davor, ihr könnt nur aus euch selbst schöpfen. Ihr seid die Inspiration.

Autorin

Jessy Halermöller

Jessica Halermöller

ist seit 2018 für den Bereich Content- und E-Mail-Marketing bei BoD verantwortlich und betreut neben dem Blog und Newsletter für Autor*innen auch die Social-Media-Kanäle des Unternehmens. Wenn sie privat nicht gerade Boulderwände hochklettert, liest sie am liebsten Gegenwartsliteratur und Fantasyromane.

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Kommentare

  • Liebe Jessica Halermöller, meine Kurzgeschichte zum Bookdate Contest wartet darauf hochgeladen zu werden. Doch haben sich mir einige Fragen dazu ergeben. Im Textfeld auf BoD sind 2000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) festgelegt. In der regel: Überschriften werden nicht dazu gezählt.

    1. Zählt hierbei die Überschrift mit? Sie nimmt bei mir 25 Zeichen extra ein.

    2. ! Keine Instagramerfahrungen ! In den Teilnahmebedingungen steht, dass zur Fotografie ebenso die Geschichte auf Instagram hochgeladen werden soll. Meine Recherche ergab, dass nur kurze Texte sowie die Hashtags Platz finden.

    So schlussfolgere ich in der Frage folgend: Den Text wandle ich in jpg, um ihn zu veröffntlichen?

    Darüber hinaus habe ich bei Instgram festgestellt, manche Teilnehmer haben keinen Text gepostet.
    Viele Grüße, Doreen Malinka

    • Moin Doreen,
      wir freuen uns, dass du an unserem Wettbewerb teilnehmen möchtest.
      Alle Zeichen, auch eine Überschrift, werden mitgezählt. Insgesamt sind 2000 Zeichen samt Leerzeichen gemeint.
      Die Textlänge ist so gewählt, dass ihr den Inhalt auch als Post hochladen könnt. Du musst dein Text also nicht als Bild hochladen.
      Wir wünschen dir viel Erfolg bei unserem Wettbewerb!
      Viele Grüße
      Jessy von BoD

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