Biografie schreiben: Warum die Gliederung so wichtig ist

Wenn du eine Biografie schreibst, ist gute Planung entscheidend. Wir zeigen dir, worauf es bei Recherche und Gliederung ankommt.

Eine Biografie transportiert eine ganz persönliche Geschichte, sie liefert Fakten, sie bringt den Leser*innen einen Menschen wirklich nahe. Bevor du mit dem Schreiben der Biografie beginnst, solltest du jedoch Zeit und Energie in die Gliederung stecken – hier erfährst du, wieso und wie du am besten vorgehst.

Anders bei einem Roman lässt du beim Schreiben einer Biografie nicht einfach deiner Kreativität freien Lauf. Es geht darum, eine Person authentisch und detailliert darzustellen. Du solltest möglichst viele Informationen sammeln, dafür verschiedene Quellen nutzen und dir dann einen geeigneten Aufbau der Biografie überlegen. Diese Schritte helfen dir bei der Planung einer Biografie:

1. Auswahl des Themas: Beim Schreiben einer Biografie verbringst du viel Zeit mit der Beschäftigung mit einer bestimmten Person – hier solltest du also mit Leidenschaft an die Sache herangehen. Entscheide also sorgfältig, welchen Menschen du auswählst. Das kann eine berühmte Persönlichkeit sein, ein Mitglied deiner Familie oder eine andere Person, die du spannend findest und zu der es viel zu erzählen gibt.

2. Tiefgehende Recherche: Sammle nun so viele Informationen wie möglich. Es geht um Details zur Lebensgeschichte der Person, zu beruflichen Projekten, zu sozialem Engagement oder zur Familie. Hierfür eignen sich Online-Artikel, Interviews mit Zeitzeugen und Verwandten oder bereits veröffentlichte Bücher.

3. Schlüsselmomente bestimmen: Was waren die wichtigsten Punkte im Leben der Person und worauf möchtest du in der Biografie besonders den Fokus liegen? Das hilft dir auch, das zentrale Thema für deine Biografie festzulegen – falls du hier einen Schwerpunkt legen möchtest.

4. Grobe Gliederung: Nun kannst du einen ersten Entwurf für deine Gliederung erstellen. (Auf den genauen Aufbau gehen wir später im Detail ein.) Welche inhaltlichen Hauptblöcke siehst du vor dir, wie kann die Biografie sinnvoll und lesenswert aufgebaut sein?

5. Schreibstil und Perspektive: Wichtig ist es auch, zu wissen, aus welcher Perspektive und in welchem Stil du schreibst. Möchtest du sachlich und distanziert schreiben oder willst du deine eigene Begeisterung für die Person einbringen und deine persönlichen Erfahrungen? Beides ist möglich – du solltest es idealerweise anfangs bestimmen und dann konsequent durchziehen.

Jedes Leben ist einzigartig, das gilt auch für Biografien und ihre Gliederungen. Dennoch gibt es einige Punkte, die du bei dem Entwurf der Gliederung für deine geplante Biografie berücksichtigen kannst. Warum eine Gliederung überhaupt so wichtig ist? Sie hilft nicht nur den späteren Leser*innen, sich gut im Buch zurecht zu finden, eine Gliederung gibt dir auch Orientierung in deinem Schreibprozess. Du kannst die Gliederung gleichzeitig als einen Art Projektplan sehen: Das große Projekt „Buch“ teilt sich so in einzelne Arbeitspakete ein, die du mit Timings versehen und nach und nach abarbeiten kannst. Vielleicht erleichtert dir das dein Schreiben an der Biografie.

Der genaue Aufbau der Gliederung hängt von den Inhalten der Biografie ab und von den Schwerpunkten, die du setzen möchtest. Ein Beispiel für eine gelungene Biografie-Gliederung könnte so aussehen:

1. Einleitung: Du stellst kurz die Person und den Hintergrund der Biografie vor – hier kannst du auch einige Sätze zu dir als Autor*in und deiner Motivation schreiben.

2. Herkunft und Kindheit: Häufig beginnt eine Biografie mit den frühen Jahren der Person. Du könntest hier also die Herkunft beleuchten und aufzeigen, in welchen Umständen dieser Mensch aufgewachsen ist. Das hilft oft dabei, den späteren Werdegang zu verstehen.

3. Jugend und Ausbildung: In diesen Kapiteln geht es um die Entwicklung des eigenen Wegs, vielleicht um wichtige Lehrer*innen und Mentor*innen der Person, um die Ablösung vom Elternhaus und den Start in ein selbstbestimmtes Leben.

4. Karriereweg und Erfolge: Nun geht es um das erwachsene Leben der Person und um die Erfolge, die im Laufe der Karriere/der politischen Laufbahn/des sozialen Engagements erzielt wurden.

5. Hürden und Rückschläge: Sicher lief nicht immer alles glatt, deshalb ist nun Raum, um Herausforderungen und schwierige Zeiten zu beleuchten. Wenn es sich anbietet, kannst du das auch mit dem vorhergehenden Punkt kombinieren und eher chronologisch vorgehen.

6. Persönliches Leben: Neben dem Beruf oder dem öffentlichen Leben gab es sicher auch einige private Themen und Entwicklungen, die erzählenswert sind – auf diese kannst du jetzt eingehen.

7. Wichtige Wegbegleiter: Es kann sich lohnen, ein eigenes Kapitel für Menschen einzuplanen, die der Hauptperson deiner Biografie wichtig waren. Wer hat die Person geprägt, wer war entscheidend für den weiteren Weg?

8. Späte Jahre und Vermächtnis: An dieser Stelle ist es Zeit für eine Zusammenfassung und einen Rückblick. Was hat die Person erreicht, was hinterlässt sie, was hat sie vielleicht an Nachfolger*innen übergeben? (Wenn du eine Biografie über eine noch recht junge Person schreibst, entfällt dieser Themenblock gegebenenfalls.)

9. Schlusskapitel: Dieses Kapitel ist optional – bei Bedarf kannst du noch eine persönliche Einordnung der Person und ihrer Geschichte verfassen.

So könnte eine Biografie aufgebaut sein – ob du dich tatsächlich an dieser Gliederung orientierst, hängt natürlich stark von der jeweiligen Geschichte ab. Sicher stellst du bei deiner Recherche zu Beginn oder auch im laufenden Schreibprozess fest, wo du noch tiefer einsteigen möchtest, wo sich Unterkapitel anbieten oder wo du vielleicht weniger schreiben möchtest. Vertraue hier auch auf dein Gefühl, das dir trotz aller Struktur den Weg weisen kann, wie dein Buch sinnvoll aufgebaut ist.

Viele Autor*innen haben bei BoD Biografien veröffentlicht und dabei ihre ganz eigenen Gliederungen und Strukturen entworfen. Wir stellen dir hier drei Beispiele zur Orientierung vor.

Gabriele Wohmann: Meisterin der Kurzgeschichte“: Nach einem Vorwort geht es zunächst um Kindheit um Jugend, dann um den Beginn der schriftstellerischen Laufbahn und um die öffentliche Anerkennung. Die Autorin geht chronologisch vor und gibt den zeitlichen Blöcken thematische Überschriften.

Martin Walser: Der weise Mann vom Bodensee“: Diese Biografie ist aus einer eher persönlichen Perspektive verfasst. Die Autorin beginnt mit einer Einleitung und biografischen Informationen, dann verfasst sie Kapitel über einen Besuch bei Martin Walser und geht im Anschluss die weiteren Jahre chronologisch durch.

Setz dich und geh weiter: Geschichte einer Perspektivwechslerin“: In diesem Buch schreibt die Autorin über ihren eigenen Weg, nachdem sie an MS erkrankte und seitdem im Rollstuhl sitzt. Hier ist der Aufbau nicht chronologisch, sondern nach Themen gegliedert.

Es gibt viele Tipps zum Aufbau der Gliederung und zum Schreiben einer guten Biografie – genauso hilfreich kann es sein, auf häufige Fehler zu blicken. So kannst du diese beim Schreiben deiner geplanten Biografie idealerweise vermeiden.

1. Starke Voreingenommenheit: Auch wenn es möglich ist, eine Biografie persönlich zu prägen, schadet es deinem Werk eher, wenn du sehr stark voreingenommen bist und schon vorher weißt, wie du die Person darstellen willst. Eine ausgewogene und objektive Darstellung der Person sollte in einer Biografie gewährleistet sein.

2. Mangelnde Recherche: Eine Biografie vermittelt Informationen und Fakten – diese sollten gut geprüft und sorgfältig recherchiert sein. Verlasse dich hierbei nicht nur auf eine Quelle, sondern versuche, jede Information nochmals zu bestätigen.

3. Fehlende Struktur: Du weißt bereits, wie wichtig eine gute Gliederung ist. Fehlt diese, steht deine Biografie von Beginn an auf wackligen Beinen. Also begehe nicht den Fehler, schnell draufloszuschreiben, bevor die Struktur steht.

4. Übertriebene Spekulation: Nicht immer lassen sich alle Sachverhalte und Zusammenhänge im Leben einer Person gründlich aufklären. Oft bleibt Spielraum für Interpretation oder Spekulation, als Autor*in solltest du dich hier aber zurückhalten – in einer Biografie haben übermäßige Spekulationen nichts zu suchen.

5. Fehlender Kontext: Es geht nicht nur um das isolierte Leben der Person, sondern auch um die Zeit und das Umfeld, in dem sie lebt oder lebte. Wenn dazu keine Informationen lieferst, können bestimmte Handlungen oder Entscheidungen der Person nicht richtig verstanden werden. Biete der Geschichte also lieber den nötigen Hintergrund.

Jetzt kann es losgehen: Entscheide dich für die Person deiner Wahl, tauche in die Recherche ein und beginne dann, eine bewegende Biografie zu schreiben – wenn du dabei auf eine sinnvolle Gliederung setzt, bist du deinem großen Ziel einen guten Schritt näher. Viel Spaß dabei!

Autorin

Julia Allmann

Julia Allmann

ist freie Journalistin und Buch-Autorin. Sie liebt gute Texte und Geschichten, vor allem solche, die etwas bewegen können. Sie lebt mit zwei Kindern in Köln und schreibt am liebsten über Nachhaltigkeit, Gesellschaftsthemen und Female Empowerment – und übers Schreiben selbst. Privat liest sie gerne Sachbücher über Persönlichkeitsentwicklung und zum Ausgleich unterhaltsame Romane.

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