Der Papiermarkt in der Krise

Wir blicken für euch auf die Hintergründe und Ursachen der steigenden Papierpreise.

02.06.2022 · Thorsten Simon Buchmarkt · Wissen

Die anhaltende Papiermarktkrise setzt die Buchproduktion unter erheblichen Druck. Zuletzt mussten auch wir von BoD reagieren und die Papierpreise anheben. Wir blicken für euch auf die Hintergründe und Ursachen.

Papierpreise unterlagen in den vergangenen Jahren stets gewissen Schwankungen. Seit Frühsommer 2021 allerdings kennt der Preis nur noch eine Richtung: nach oben. Die Kosten für Druckpapier und Druckerzeugnisse sind seitdem um bis zu 70 Prozent gestiegen. Aber nicht nur die Preise haben sich rasant erhöht. In der Pandemie hat sich zudem die Verfügbarkeit von Papieren für die Herstellung von Büchern zunehmend verknappt. Einige Papiersorten sind zeitweilig sogar überhaupt nicht erhältlich. Dies setzt die Buchproduktion zusätzlich unter Druck. Da das Papier einen großen Anteil an den Gesamtproduktionskosten hat, waren Druckereien und Dienstleister wie wir von BoD gezwungen, die eigenen Herstellungskosten anzupassen.

Die Ursachen für die drastische Entwicklung der Papierpreise sind vielfältig. Kurz gesagt, sind vor allem folgende Punkte für die Krise verantwortlich: stark steigende Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten, der Mangel an Rohstoffen für die Papierherstellung und reduzierte Produktionskapazitäten. Blicken wir auf die einzelnen Faktoren, ergibt sich ein vielschichtiges Bild.

Steigende Energiekosten

Bereits vor dem Krieg in der Ukraine haben die stark ansteigenden Energiekosten die Papierproduktion belastet. Mit dem Krieg hat sich die Situation allerdings weiter zugespitzt. Die Herstellung von Papier ist ein besonders energieintensiver Prozess und daher besonders von dieser Entwicklung betroffen. Ein Teil der Papierindustrie hat zudem aufgrund von früheren Überkapazitäten am Markt von langfristigen Verträgen auf kurzfristige Vereinbarungen bei der Energieversorgung gesetzt, um Kosten zu sparen. Nun muss die benötigte Energie teuer eingekauft werden. In einigen Fällen führte das dazu, dass der Betrieb von Werken zur Papierherstellung unwirtschaftlich wurde und es zu zeitweisen Stilllegungen kam. Aber auch die Logistik leidet unter den hohen Kraftstoffpreisen und ist gezwungen, diese Kosten an den Handel weiterzugeben.

Reduziertes Papierangebot

In der Pandemie hat der Online-Handel und damit der Bedarf nach Verpackungsmaterial noch einmal stark zugenommen. Dies beschleunigte einen bestehenden Trend bei den Papierherstellern: die Umrüstung von der Papier- hin zur Verpackungsproduktion. Damit steht für die Buchproduktion weniger Papier zur Verfügung – bei einer zuletzt wieder verstärkten Nachfrage nach größeren Mengen an grafischen Papieren.

Streik beim Hauptlieferanten

Die angespannte Lage auf dem Papiermarkt wurde durch ein weiteres, nicht absehbares Ereignis in diesem Jahr verschärft. Von Anfang Januar bis Ende April hat die Belegschaft in den finnischen Werken der UPM-Gruppe, dem Hauptlieferanten von Papier für den deutschen Mark, die Arbeit niedergelegt. Der Streik hatte eine weitere Verknappung von Papier zur Folge, die sich auch nach dem Ende noch weiter auf die Verfügbarkeit und den Preis ausgewirkt hat, da eine Papierproduktion nur langsam wieder hochgefahren werden kann.

Das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren sorgt nun für Rekordpreise bei Papieren. Zugleich bleibt die Lage auf dem Papiermarkt weiter angespannt und nicht absehbar. Die Energiekosten steigen weiter und neue Unwägbarkeiten kommen hinzu. So hat der FSC als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg beschlossen, kein Holz oder Waldprodukte aus Russland und Belarus mehr in zertifizierten Produkten zu verwenden (Nachhaltige Buchproduktion bei BoD). Die Folge wird auch hier eine Verknappung des für die Buchherstellung benötigten Papiers sein. In dieser Situation bleibt unser Ziel auch weiterhin, die Entwicklungen genau zu beobachten und weitere Preisanpassungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Autor

Thorsten Simon

ist Pressesprecher von BoD und als solcher verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Schreibe einen Kommentar

*Pflichtfelder