Woran erkenne ich ein gutes Lektorat?

Wir verraten dir 7 Schritte, um die passende Lektorin oder den richtigen Lektor für dein Buch zu finden.

19.01.2023 · BoD Schreiben · Tipps ·

Eine sorgfältige sprachliche, stilistische und grammatikalische Überarbeitung sowie die Prüfung von Textlogik, sachlicher Richtigkeit und stimmiger Entwicklung von Figuren und Handlung verleiht einem Manuskript den nötigen Feinschliff, um Lesende zu überzeugen und zu begeistern. Doch woran erkennst du, ob ein Lektorat auch wirklich gut ist?

Jedes Manuskript ist einzigartig

Auf den ersten Blick ist die Frage leicht zu beantworten: Leserinnen und Leser erkennen ein gutes Lektorat daran, dass der Text anschließend besser lesbar und klarer aufgebaut ist.

Lesbarkeit und Aufbau sollten dabei der Zielgruppe angemessen sein. Vokabular und Tonalität eines Liebesromans für junge Erwachsene erfordern eine gänzlich andere Wortwahl und Satzstruktur als ein Ratgeber für Hobbyastronomen. Bei einem gut aufgebauten Plot mit glaubwürdigen Figuren, der aber sprachliche Schwächen hat, müssen die Schwerpunkte bei der Überarbeitung anders gesetzt werden als bei einer flüssig geschriebenen Geschichte mit inhaltlichen Brüchen und schwer nachvollziehbaren Wendungen. Ratgeber und Sachbücher haben grundsätzlich andere Anforderungen als Belletristik.

Zusätzlich entscheidend ist, ob du als Autorin oder Autor bereits Feedback von ersten Lesenden erhalten und mehrere Korrekturläufe und Überarbeitungen vorgenommen hast oder ob es sich um eine erste Version handelt, die noch nie überarbeitet wurde.

Wovon ein Manuskript im Lektorat am meisten profitiert, hängt also maßgeblich von der Art des Textes und der Reife des Manuskriptes ab. Vor dem Lektorat solltest du dein Manuskript noch einmal selbst durcharbeiten. So schaffst du eine gute Grundlage dafür, dass beim Lektorat der Fokus auf Inhalt und Stil liegt und nicht auf der Rechtschreibkorrektur. Hier können dir automatische Korrekturprogramme helfen.

Tipp: Mit unserer Schreibplattform WriteControl kannst du dein Manuskript nicht nur planen und schreiben sondern deinen Text auch überarbeiten. Unsere Korrekturhilfe und der Wiederholungsdetektor sind eine hilfreiche Unterstützung, bevor du dein Buch in ein Lektorat gibst.

Lektorat ist nicht gleich Lektorat

Die Bezeichnung „Lektor/Lektorin“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung mit klar definierten Ausbildungsinhalten. Grundsätzlich kann jeder, der sich berufen fühlt, Services zur Manuskriptbearbeitung anbieten und sich Lektor oder Lektorin nennen.

Daher ist auf den ersten Blick manchmal schwer zu erkennen, wie viel Erfahrung und Professionalität hinter der Bezeichnung „Lektorat“ steckt. Abgesehen davon gibt es verschiedene Arten des Lektorats:

  • Sprachliches bzw. stilistisches Lektorat, Schwerpunkt: Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik, umgangssprachliche Formulierungen und Stilblüten
  • Inhaltliches Lektorat, Schwerpunkt: Figurenentwicklung, Handlungsaufbau, Spannungsbogen, Logik, Nachvollziehbarkeit
  • Fachlektorat, Schwerpunkt: sachliche Richtigkeit, Plausibilität, Argumentation

Es ist daher unbedingt empfehlenswert, dass du dir vor der Auftragsvergabe überlegst, welche Art der Überarbeitung dein Text benötigt und welche Ausbildung, Erfahrung und Arbeitsschwerpunkt die Person haben sollte, der du dein Manuskript für die intensive Überarbeitung anvertraust.

Manuskript und Lektorat sollten zueinander passen

Nachdem du also geklärt hast, was dein Lektor oder deine Lektorin können sollte, folgt der nächste Schritt. Bedenke: Wer schreibt, hat einen individuellen Stil. Wer liest, hat Vorlieben. Wer Texte überarbeitet, bringt ebenfalls individuelle Fertigkeiten und Schwerpunkte mit. Idealerweise passen Inhalt und Stil eines Manuskriptes gut zu den Schwerpunkten und Vorlieben einer Lektorin oder eines Lektors.

Um herauszufinden, ob ein Lektorat wirklich das bietet, was du dir vorstellst, empfehlen wir dir ein Probelektorat. So kannst du dir anschauen, in welchem Stil lektoriert wird, in welcher Form Anregungen und Überarbeitungsvorschläge erfolgen und ob Fehler stehen bleiben – und ob der Lektor oder die Lektorin zu dir und deinem Manuskript passt.

Kläre Tiefe und individuelle Details des Lektorats ab

Je nach Art des Lektorats, für das du dich entschieden hast, geht es im nächsten Schritt um die Details. Das ist vor allem beim inhaltlichen Lektorat wichtig. Wie tief soll in den Text eingegriffen werden? Können ganze Kapitel gestrichen und Figuren verändert werden? Gibt es Wünsche in Bezug auf bestimmte Kapitel, Figuren oder das Ende der Geschichte? Gibt es Passagen, mit denen du selber noch unzufrieden bist und für die du gerne Verbesserungsvorschläge hättest?

Umso genauer du deinem Lektor bzw. deiner Lektorin sagst, was du dir von dem Lektorat erhoffst, umso besser kann auf deine Wünsche eingegangen werden und umso mehr wird dein Manuskript von einem Lektorat profitieren.

7 Schritte, um die passende Lektorin/den richtigen Lektor für dein Buch zu finden

1: Qualifikation, Ausbildung und Erfahrung erfragen
2: Referenzen prüfen und online in Leseproben der lektorierten Titel reinlesen
3: Darauf achten, dass Erfahrung im Genre vorliegt
4: Erwartungen und Wünsche klar kommunizieren
5: Lektoratsbeispiel anfragen und prüfen (hier findest du ein Beispiel aus unserem Lektorat)
6: Probelektorat beauftragen
7: Deinen Text vor dem Lektorat selbst überarbeiten, Korrekturhilfen nutzen

Beispielliste: Was sollte im Lektorat überprüft werden

Inhaltliche Überarbeitung:

  • Prüfung des Textaufbaus und der Nachvollziehbarkeit
  • Schlüssigkeit in der Abfolge einzelner Gedankengänge
  • Eliminierung von Gedankensprüngen oder inhaltlichen Wiederholungen
  • Prüfung des Plots, Verlauf des Spannungsbogens, zentraler Konflikt und dessen Auflösung
  • Figurenentwicklung, Authentizität, Plausibilität, Identifikationspotenzial, überflüssige Figuren
  • Verfolgung einer konsequent eingehaltenen Erzählperspektive
  • Erzähltempo
  • (Binnen-)Logik und sachliche Richtigkeit
  • Bei Sachbüchern: Überprüfung von Schlüssigkeit der Argumentation und Angemessenheit der Darstellung des Themas in Hinblick auf die Zielgruppe

Sprachliche Überarbeitung:

  • Treffende und zielgruppengerechte Wortwahl
  • Genre- und altersgemäßer Stil
  • Authentische Figurenrede und Vermeidung von Passivformen
  • Überprüfung der Satzstruktur (Vermeidung von Schachtelsätzen, logischer und verständlicher Satzbau)
  • Beseitigung von Wiederholungen und Ausdrucksfehlern
  • Streichung von leeren Füllwörtern, Floskeln und überflüssigen Adjektiven
  • Behebung von Tempus- und Kongruenzfehlern
  • Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik

Ist es am Ende denn überhaupt noch mein Text?

Das Lektorat ist häufig der erste Schritt, den du als Autorin oder Autor mit deinem Manuskript in die Außenwelt machst. Oft ist es sogar das erste Mal, dass eine andere Person liest, was du geschrieben hast. Das kann schon sehr nervös machen, schließlich hast du oft wochen-, monate- oder gar jahrelange Arbeit und nicht selten viel Herzblut in dein Manuskript gesteckt. Und nun soll plötzlich jemand Fremdes alles auf den Kopf stellen dürfen?

Bei vielen Autorinnen und Autoren besteht die Sorge, dass sie ihren eigenen Text nach dem Lektorat nicht mehr wiedererkennen. Bei einem guten Lektorat ist diese Sorge jedoch unbegründet: Lektoren wissen, dass das Manuskript euer Baby ist. Sie helfen euch dabei, das Beste aus eurer Geschichte herauszuholen, aber sie schreiben sie nicht völlig neu. Sie gehen feinfühlig mit eurem Werk um und werden größere Veränderungen erst einmal nur vorschlagen oder mit dir besprechen. Und am Ende ist es immer deine Entscheidung, welche der Vorschläge du umsetzt, welche Veränderungen du übernimmst – und welche nicht.

Jeder Text profitiert von einem Lektorat

Abschließend lässt sich sagen, dass jedes Manuskript – auch und gerade solche, die bereits sehr reif sind – von einem Lektorat profitiert. Selbst die erfahrensten Bestsellerautorinnen und Bestsellerautoren veröffentlichen kein Buch, ohne dass es vorher intensiv von einem Lektor oder eine Lektorin überarbeitet wurde.

Du hast Fragen zum Thema Lektorat bei BoD? Unsere erfahrenen Projektmanagerinnen aus dem Team Buchdesign und Lektorat helfen dir gern!

Autorin

Andrea Kock

ist für die Bereiche Buchdesign & Lektorat und Digital & Produktentwicklung verantwortlich. Seit 2003 hat Andrea die Entwicklung von BoD in verschiedenen Funktionen mitgestaltet.

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