Bookdate Contest: Tipps von J. Vellguth

Bis zum 23. Februar 2020 läuft noch unser Schreibwettbewerb „Bookdate Contest“, in Kooperation mit TWENTYSIX. Unser Jurymitglied J. Vellguth verrät dir hilfreiche Tipps zum Thema…

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse findet die Eventreihe „Leipzig liest“ statt und wir organisieren auch in diesem Jahr erneut den Schreibwettbewerb „Bookdate Contest“ in Kooperation mit TWENTYSIX.

Das große Finale des Bookdate Contest findet am 13. März 2020 ab 20 Uhr statt. Auf dem Bookdate-Event im Hotel INNSIDE by Melia (Gottschedstraße 1, 04109 Leipzig) werden die drei finalen Stories pro Genre präsentiert, gelesen und die Gewinner vom Publikum gewählt. Wenn du an dieser Veranstaltung teilnehmen möchtest, kannst du über folgenden Link kostenlose Tickets erwerben: klick

In unserer Jury unter anderem die Romance-Autorin J. Vellguth, die gerne ihre Schreibtipps verraten möchte, die dir beim Erstellen des eigenen Manuskripts helfen werden.


J. Vellguth

schreibt romantisch-moderne Liebesromane mit Humor und Herz. Manche mit, manche ohne Magie, aber immer mit viel Gefühl. Tatsächlich ist sie erst zufrieden, wenn ihre Leser auf der äußersten Stuhlkante sitzen, um herauszufinden, wie es weitergeht. Sie hat bereits mehr als 20 Bücher veröffentlicht und teilt auf ihrem Schriftsteller werden Blog regelmäßig Tipps für Autorinnen und Autoren.

1

Fang mit dem Ende an.

Das geht nicht? Mit dem Ende anfangen ist langweilig? Das stimmt nicht und ich kann es beweisen.

Ich könnte nämlich wetten, du hast ein Lieblingsbuch. Dabei rede ich nicht von irgendeinem, sondern von „dem Lieblingsbuch“, das du schon mindestens ein halbes dutzend Mal gelesen hast und das du garantiert immer wieder lesen wirst. Soll ich dir was sagen? Du kennst nicht nur das Ende dieser Geschichte, sondern das Ende ist ein Grund, weshalb du sie so abgöttisch liebst.

Deine eigene Geschichte sollte mindestens genauso atemberaubend sein. Deshalb ist es eine ziemlich gute Idee, dir schon vor dem ersten Satz Gedanken darüber zu machen, wie das Ende aussehen soll. Was muss passieren, um deinen  Leser völlig von den Socken zu hauen, ihm eine Gänsehaut zu bescheren und mit einem saftigen Bookhangover zurückzulassen? Was müsste geschehen, damit deine Geschichte zu einem Lieblingsbuch wird?

Es gibt übrigens einen phänomenalen Trick bei der Sache: Du bist der Autor, das heißt, du kannst das Ende immer wieder anpassen, wenn es dir notwendig erscheint. Keine Menschenseele auf dieser Erde weiß, was du dir beim ersten Versuch ausgedacht hast und niemand wird es merken, wenn du ein völlig anderes, noch viel besseres Ende schreibst. Aber (!) wenn du das Ende bereits kennst, während du anfängst zu schreiben, kannst du dich in dunklen Zeiten daran festhalten, weil du jetzt schon weißt, dass es zum Schluss genial wird. Dann fungiert dein Ende als Leuchtturm, der dir die Richtung weist und als Lichtschwert, mit dem du gegen die dunkle Seite der Macht kämpfen kannst, wenn sie wieder einmal versuchen möchte, dich vom Schreiben abzuhalten. Vor allem, wenn es wieder einmal Zeit wird, Entscheidungen zu treffen, ist ein Leuchtturm als Richtungsweiser nützlich, denn er hilft dir, wenn es heißt:


2

Triff rasche Entscheidungen und leb mit ihnen.

Du sitzt vor einem leeren Blatt. Endlose Weiten aus Weiß und Leere starren dich an, fordern dich dazu heraus, endlich zu schreiben. Doch wie soll das gehen? Aus dem Universum unendlicher Möglichkeiten nur eine auszusuchen ist schwer – die einzige richtige Idee herauszufischen scheint unmöglich. Doch der Trick ist, dass es keine richtigen, ja noch nicht einmal gute Entscheidungen gibt. Was eine Idee wirklich gut macht, ist ihre Ausführung.

Also, nimm eine der endlosen Möglichkeiten in die Hand, eine die besonders schön funkelt. Schreib sie auf und zieh sie durch. Ja, du wirst an einen Punkt kommen, an dem Probleme auftauchen und du alles hinschmeißen möchtest. Doch das passiert völlig unabhängig davon für welche Möglichkeit du dich entschieden hast. Wichtig ist: Es gibt immer eine Lösung. Finde sie und du wirst umso stolzer auf dich sein, dass du durchgehalten hast.

Falls du gar nicht weiter weißt, markiere dir die Plotlöcher, aber lass dich nicht von ihnen aufhalten. Es muss nicht perfekt werden. Perfekt gibt es überhaupt nicht und außerdem wird das ja nur dein erster Entwurf. Während des (Selbst-) Lektorats hast du Zeit genug, all die großen und kleinen Fehler aufzuspüren und so zu ändern, dass sich ein funktionierendes Ganzes ergibt – eine waschechte Lieblingsgeschichte.

Die Hauptsache ist, du setzt dich regelmäßig hin und schreibst, denn …


3

Deine Routinen entscheiden, wer du bist.

Es ist noch dunkel draußen, als dein Wecker klingelt. Du gähnst und drehst dich noch einmal auf die andere Seite. „Heute hab ich keine Lust zu schreiben“, denkst du dir. „Nächstes Mal wieder, ganz bestimmt.“
Das war gestern schon so und das wird auch morgen wieder so sein. Denn ob es dir gefällt oder nicht, du hast bereits eine Routine.

Kommt Schreiben darin vor? Wenn ja, dann bist du ganz sicher schon weiter als 80 Prozent aller Menschen die „gerne mal ein Buch schreiben möchten.“ Oder gehörst du auch zu denen, die sich lieber noch einmal in ihrem warmen Bett umdrehen? Denkst du, Stephen King hat so seine Geschichten zu Papier gebracht? Sicher nicht.

Er hat geschrieben, mit und ohne Muse, 2.000 Wörter, jeden Tag. Warum? Eine Geschichte, die nicht fertig wird, ist nur eine Sammlung loser Blätter in der Schublade, die niemals jemand lesen wird. Und je langsamer deine Geschichte den Weg in dein Schreibprogramm findet, desto größer ist ihr Risiko in eben dieser Schublade zu landen. Weil sie langweilig scheint.

Wenn du Wochen oder Monate für eine Stelle brauchst, die der Leser in wenigen Minuten verschlingt, ist Langeweile kaum zu umgehen, denn auch der spannendste Kampf wird zur Tortur, wenn du ihn im Zeitlupentempo niederschreibst. „Leicht gesagt“, hör ich dich murmeln. „Aber ich hab leider keine Zeit!“

Jeder Mensch hat vierundzwanzig Stunden am Tag. Es ist deine Entscheidung, was du mit ihnen anfängst. 8 Stunden Brotjob, plus 8 Stunden Schlaf, dann bleiben immer noch 8 Stunden übrig, die dir zur freien Verfügung stehen. Wie viel davon benutzt du fürs Schreiben? Was sagen deine Routinen über dich aus?

Kommentare

  • Bei autobiographischen Neigungen ist der „phänomenale Trick“, mit dem Ende anzufangen, aus offensichtlichen Gründen unpraktikabel. Wer ist schon tot und schreibt noch selbst? Oder ist das Ende des Lebens nur ein Fall von finaler Schreibblockade?

  • Alles richtig, aaaber…😒
    Wie halte ich sämtliche inneren Kritiker davon ab, sofort zur Stelle zu sein, wenn ich mich an den Schreibtisch stelle?? Ich habe schon Geschichten veröffentlicht, aber irgendwie wird die Angst davor, nur Mist zu produzieren, immer größer. Dabei denke ich ständig daran und wünsche mir nichts mehr, als endlich meinen ersten Roman fertigzustellen. Und trotzdem drücke ich mich täglich vor der Routine. Verrückt, oder,? Hast du einen Rat?

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